Vulvodynie & Mikrobiom: Was die Forschung wirklich weiß

Part 2: Im ersten Teil habe ich erzählt, wie mein Bauch mich zu diesem Thema gebracht hat. Jetzt schauen wir uns an, was die Wissenschaft dazu sagt!

Erstmal vorweg: Die Forschung ist noch jung

Das muss ich direkt sagen, damit keine falschen Erwartungen entstehen. Die Forschung zu Mikrobiom und Vulvodynie steckt noch richtig in den Kinderschuhen. Es gibt keine abschließenden Antworten, keine großen Langzeitstudien, keine klaren Ursache-Wirkungs-Beziehungen.

Was es gibt, sind erste Puzzleteile. Und die sind interessant genug, um mal genauer hinzuschauen!

Was die Wissenschaft zu Vulvodynie und Mikrobiom weiß:

Das vaginale Mikrobiom bei Vulvodynie ist verändert.

Eine gesunde Vagina wird normalerweise von sogenannten Laktobazillen dominiert. Diese Bakterien erzeugen ein saures Milieu und halten damit Entzündungen, Pilze und schädliche Bakterien in Schach. Bei Menschen mit Vulvodynie ist dieses Gleichgewicht oft gestört – weniger Laktobazillen, mehr Pilze und Hefen. Das Milieu kippt, und das befeuert Entzündungsprozesse.

Und hier kommt das Aha-Moment für viele Betroffene: Das Entzündungsmuster im Gewebe bei Menschen mit Provozierter Vulvodynie ähnelt dem bei chronischen Hefepilzinfektionen. Wer also eine lange Vorgeschichte mit wiederkehrenden Pilzinfektionen hat, könnte damit Teil desselben Musters sein. Kein Zufall, sondern möglicherweise der Anfang einer Kettenreaktion, die im Mikrobiom beginnt und als Vulvodynie-Schmerz endet.

Entzündungsbotenstoffe als Verbindung zwischen Mikrobiom und Vulvodynie-Schmerz

Eine Entzündungsreaktion durch sogenannte Zytokine – Botenstoffe des Immunsystems – als Antwort auf ein gestörtes Mikrobiom gilt inzwischen als eine der führenden Theorien zur Entstehung von Provozierter Vulvodynie. (Werner-mendling)

Vereinfacht: Wenn das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät, schlägt das Immunsystem Alarm. Dieser Alarm kann sich als Schmerz in der Vulva äußern – auch dann, wenn keine akute Bedrohung mehr da ist. Das Nervensystem bleibt dauerhaft auf Empfang.

Leaky Gut und Vulvodynie: Was steckt dahinter?

Eine Studie untersuchte 74 Frauen mit Vulvodynie und verglich ihre Darmmikrobiota mit gesunden Kontrollpersonen – und fand dabei nicht nur Veränderungen in der bakteriellen Zusammensetzung des Darms, sondern auch erhöhte Werte eines Markers für erhöhte Darmdurchlässigkeit.

Was das konkret bedeutet: Stell dir die Darmwand wie ein feines Sieb vor. Normalerweise lässt es nur durch, was durchsoll – Nährstoffe rein, Abfallstoffe raus. Wird dieses Sieb zu grobmaschig – was viele als „Leaky Gut" kennen – rutschen Dinge durch, die da nicht hingehören. Entzündungsstoffe gelangen ins Blut und beeinflussen den ganzen Körper. Möglicherweise auch die Vulva.

Ob das eine Ursache der Vulvodynie ist oder eine Folge, das weiß die Forschung noch nicht. Aber der Zusammenhang ist real genug, um ihn ernst zu nehmen.

Vulvodynie und Reizdarm – kein Zufall

Viele Betroffene kennen das, sprechen aber selten laut darüber:

Reizdarmsyndrom und Vulvodynie treten auffällig häufig zusammen auf. Das ist kein Zufall, sondern ein in der Forschung bekanntes Muster. Beide Erkrankungen haben gemeinsam, dass das Nervensystem überempfindlich reagiert im Darm genauso wie im Vulvabereich. Wer also beides kennt, ist damit definitiv nicht allein und sollte das ruhig beim nächsten Arztbesuch ansprechen.

Darm und Vagina reden miteinander

Der deutsche Experte Prof. Werner Mendling hat 2024 explizit über den sogenannten „Crosstalk" zwischen Darm- und vaginalem Mikrobiom publiziert. Was im Darm passiert, bleibt also nicht im Darm. Beide Systeme beeinflussen sich gegenseitig. Das bedeutet auch: Wer seinen Darm unterstützt, tut möglicherweise gleichzeitig etwas für die Vulvagesundheit.

Harvard-Studie 2024: Anti-entzündliche Laktobazillen als Hoffnungsträger

Eine Harvard-Studie von Oktober 2024 zeigte, dass bestimmte Laktobazillen-Subtypen im vaginalen Mikrobiom Stoffe mit anti-entzündlichen Eigenschaften produzieren und so möglicherweise vor Infektionen und Entzündungen schützen können. Die Forschung überlegt gerade, ob man diese gezielt einsetzen kann zum Beispiel als vaginale Probiotika. Noch Zukunftsmusik, aber eine spannende Richtung.

Was du jetzt tun kannst: Take-aways Vulvodynie Selbsthilfe

Ernährungstagebuch führen. Beobachte, welche Lebensmittel deinen Darm und deine Vulvodynie-Beschwerden beeinflussen. Zwei bis drei Wochen reichen für erste Erkenntnisse.

Fermentierte Lebensmittel für das Mikrobiom. Joghurt, Kefir, Kimchi, Sauerkraut – echte Lebensmittel, die dem Mikrobiom gut tun. Zugänglicher und oft effektiver als teure Supplements.

Warmes Essen bevorzugen. Leichter verdaulich, weniger Belastung für einen ohnehin empfindlichen Darm.

Regelmäßige Mahlzeiten. Rhythmus beruhigt das Verdauungssystem und damit möglicherweise auch das Nervensystem insgesamt.

Beckenboden und Darm zusammen denken. Verspannungen im Beckenboden verstärken Verdauungsbeschwerden und umgekehrt. Beckenbodenentspannung hilft auf beiden Ebenen. Mehr dazu findest du in meinem Artikel zur Beckenboden-Physiotherapie. (interner Link einfügen)

Reizdarm ansprechen. Wenn du das Gefühl hast, dass Darm und Vulvodynie bei dir zusammenhängen, sprich das aktiv beim nächsten Arztbesuch an. Du bildest dir das nicht ein – das ist ein bekanntes Muster.

Die Forschung zu Mikrobiom und Vulvodynie hat noch viele offene Fragen. Aber die Richtung stimmt. Und ich finde es wichtig, dass wir als Betroffene diese Puzzleteile kennen , auch wenn das große Bild noch nicht fertig ist.

Hast du ähnliche Erfahrungen mit deinem Darm gemacht? Ich freue mich über deine Nachricht oder einen Kommentar. 🧡

Britta

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Forschungsergebnissen und meiner persönlichen Erfahrung als Betroffene. Ich bin keine Ärztin. Die Inhalte ersetzen keine fachärztliche Beratung oder Behandlung.

Quellen:

1. IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

ThemenCheck Medizin: „Vulvodynie – Welche nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sind erfolgsversprechend?"

🔗 https://www.iqwig.de/sich-einbringen/themencheck-medizin/berichte/t24-02.html

2. Deutsches Ärzteblatt

„Evidenzlage zur Behandlung der Vulvodynie begrenzt, aber positive Effekte", Dezember 2025

🔗 https://www.aerzteblatt.de/news/evidenzlage-zur-behandlung-der-vulvodynie-begrenzt-aber-positive-effekte-065ea0a4-cf23-45b5-a9fb-1ae17ede4955

3. Deutsches Gesundheitsportal

„Vulvodynie: Welche nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten helfen?", Mai 2026

🔗 https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2026/05/21/vulvodynie-welche-nicht-medikamentoesen-behandlungsmoeglichkeiten-helfen/

4. Coda L. et al., Journal of Clinical Medicine Research

„Evaluation of Gut Microbiota in Patients With Vulvovestibular Syndrome", 2021

🔗 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7935627/

5. National Vulvodynia Association (NVA)

Research Update Newsletter June–August 2024 – Zytokine & Mikrobiom bei PVD

🔗 https://www.nva.org/wp-content/uploads/2025/01/June-August-2024-Research-Update.pdf

6. Lountzi A.Z. et al., Women's Health Journal

„A scoping review of vulvodynia research: Diagnosis, treatment, and care experiences", 2025

🔗 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40525542/

7. Callirgos Escajadillo M.F. et al., Journal of Clinical Medicine

„Impact of Vulvodynia on the Quality of Life of Women: A Rapid Review", Dezember 2025

🔗 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12787231/

8. Harvard T.H. Chan School of Public Health

„Vaginal microbiome research uncovers new findings for women's health", Oktober 2024

🔗 https://hsph.harvard.edu/news/vaginal-microbiome-research-uncovers-new-findings-for-womens-health/

9. Krapf J.M. et al., Obstetrics & Gynecology

„Executive Summary of the Vulvodynia Therapeutic Research Summit", Februar 2026

🔗 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41197126/

10. Prof. Dr. Werner Mendling

„Vaginales Mikrobiom und Darmmikrobiom – ein Crosstalk", Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 2024

🔗 https://werner-mendling.de/publikationen/

11. Universität Mailand / Women Journal

Studie zu vaginalem und intestinalem Mikrobiom bei Vestibulodynie, Juni 2025

🔗 https://www.mdpi.com/2673-4184/5/3/22

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Vulvodynie und Darmgesundheit. Warum dein Darm bei Vulvodynie eine Rollen spielen könnte